Wieder einmal zog es die Radsportgruppe Richtung Westen . An einem herrlichen Karfreitag mit 22 °C und einer guten Portion Ostwind ging es um 8:00 Uhr in Berlin bzw. um 9:30 Uhr in Falkensee los. Wir machten dieses mal nicht den Fehler, über Ribbeck zu fahren, da man dort irgendwann gezwungen ist, auf die stark befahrenen B5 aufgrund nicht vorhandener Radwege ausweichen zu müssen. So ging es über die Dörfer Paulinenaue, Brädikow, Warsow nach Friesack.
Das schöne am Karfreitag ist, das kaum eine Socke mit dem Auto unterwegs ist. So zogen wir fast ungestört unsere Bahnen Richtung Rhínow. Das Trainingslager und der Ostwind führen dazu, dass wir einen Großteil der Strecke mit 35 – 40 Km/h zurücklegen konnten, so dass wir bereits um 12:30 Uhr in Havelberg ankamen. Wir überlegten kurz, hier bereits die Bahn zurück zu nehmen, da das letzte Mal kurz hinter Havelberg die Straße richtig mies und somit die Tour zur Tortur wurde. Da wir uns im Gegensatz zum letzten Mal aber noch in einem guten physischen Zustand befanden, wurde die Idee schnell verworfen und weiter ging es Richtung Wittenberge. Wir drosselten das Tempo ein wenig, da unsere Bahn erst um 15:11 Uhr ging und somit kein Grund zur Eile bestand. Dieses mal wichen wir aber aufgrund des schlechten Belags nicht auf den Elbradwanderweg aus (der übrigens noch mieser ist), sondern bissen die Zähne zusammen und siehe da, nach 8 km hatte das Elend ein Ende und auf herrlich glatten Untergrund ging es weiter nach Bad Wilsnack. Hier noch mal an der Tanke Nahrung aufgenommen und im Endspurt die letzten 20 km hinter uns gebracht.
Es folgte der obligatorische Riesen-Erdbeer-Eisbecher in unserem Lieblings-Wittenberge-Eiscafé. Hier konnten wir dann beobachten, dass der Einheimische scheinbar nichts Besseres zu tun hat, als mit seiner getunten Karre unter ohrenbetäubender Technomusik im Kreis zu fahren. Anschließend ging es ab in die Bahn, wo wir zusammen mit der kommunistischen Jugend Hamburg zurück Richtung Berlin fuhren. In Falkensee angekommen, geduscht, Grill angezündet und zusammen mit Freunden aus Hamburg eine schönen Abend verbracht. Hat Spaß gemacht.
Unser erstes Rennradtrainingslager auf Mallorca war ein voller Erfolg. Wir hatten hier viele großartige Stunden auf dem Sattel, fantastisches Wetter, atemberaubende Landschaften, freundliche und sehr rücksichtsvolle Autofahrer, und sehr viel Spaß beim Fahren auf wirklich vorbildlichen Radwegen. Gott sei Dank wurden wir vor Stürzen und Unfällen bewahrt. Ich bin mir sicher, daß dies nicht unser letzter gemeinsamer Fahrradurlaub war...
Viva el grupo deportivo de bicicleta montaña del diablo!
Hier gibt es die Berichte über unsere Touren auf der Radsportinsel:
Ankunft auf Mallorca und Abholen der Räder (Mittwoch, 18.03.09 )
An unserem letzten Tag mit den geliehenen Rennrädern fuhren wir noch einmal in die Berge, bevor wir die Räder dann um 19:00 Uhr zurückgeben sollten. Wie schon am letzten Donnerstag ging es über Alcúdia, Port de Pollença, Pollença, Campanet und Binibona nach Caimari. Von dort fuhren wir wieder hoch zum Coll de sa Bataia und weiter zum Kloster Lluc.
Dort bestellten wir dann Erdbeerkuchen und Kaffee auf deutsch und bekamen diesmal den richtigen Kuchen serviert. Dieser Erdbeerkuchen wurde in unserem Radwanderführer zurecht empfohlen, denn er schmeckte fantastisch.
Schon auf dem Weg zum Kloster fiel uns auf, daß die Sperrung der Straße nach Sa Calobra aufgehoben wurde. Beim futtern des leckeren Erdbeerkuchens beschlossen wir spontan, uns diese Gelegenheit nicht entgehen zu lassen und die anspruchsvollste Strecke der Insel in Angriff zu nehmen.
Um nach Sa Calobra zu gelangen gilt es, eine kurvige Straße mit erheblichen Steigungen von durchschnittlich 8,8% zu meistern – wobei auf einer Strecke von 10 Kilometern 880 Höhenmeter überwunden werden müßen.
Vom Kloster mußten wir zunächst wieder zwei Kilometer hinauf zum Coll de sa Bataia und dort auf die Straße nach Sa Calobra abbiegen. Nach einigen Kilometern hielten wir an einem Aussichtspunkt. Ich traute ich meinen Augen kaum, als ich dort Nicki, eine ehemalige Schulfreundin aus früheren Tagen, traf. Wir plauderten eine Stunde lang, verabredeten uns für morgen in Palma und machten uns erst gegen 16:00 Uhr an die kurze aber sehr anstrengende Fahrt auf der drei Kilometer langen Bergstrecke des Coll de Els Reis.
Auf Höhe des Cals Turixant Reis de Baix sahen wir Arbeiter, die damit beschäftigt waren den Berg mit riesigen Stahlnetzen einzupacken. An dieser Stelle war ein großer Teil des Bergs ins Tal gerutscht, aufgrund dessen die Straße gesperrt war. Bis an diese Stelle war der Belag der Straße erneuert worden und ließ sich ausgesprochen gut fahren.
Auf dem Berg angekommen, begannen wir mit der Abfahrt auf der kurvenreichen Straße, die sich durch die Felsen windet.
Schon kurz nachdem wir die Talfahrt in Angriff nahmen, erwartete uns eine 360º Kurve namens El nudo de la corbata – der Krawattenknoten.Von dort bot sich eine atemberaubender Ausblick auf das Meer und anschließend auf den Puig Major, den höchsten Berg Mallorcas.
Da wir dort leider ohne eigene Helmkamera hinunterfuhren, zeigen wir an dieser Stelle ein Video der Abfahrt, das wir bei YouTube fanden. Wir hatten bei der rasanten Fahrt ins Tal mindestens genauso viel Spaß wie diese Jungs.
Alleine die Fahrt ins Tal nach Sa Calobra dauerte eine viertel Stunde – ein Erlebnis das mit Worten nur schwer zu beschreiben ist. Jeder der die Gelegenheit hatte dort einmal zu fahren, wird sicherlich wissen, was ich damit meine. Diese Strecke bereitete uns mit Abstand die bislang großartigste Rennraderfahrung überhaupt.
Als wir gegen 17:00 Uhr mit dem Ausstieg begannen, waren bereits keine anderen Radfahrer mehr zu sehen. Nach und nach wurde die Landschaft wieder karger und der Steigungsgrad nahm unerbittlich zu. Die letzten Kilometer stellten mit Abschnitten von mehr als 13% und einer durchschnittlichen Steigung von 10% eine sportliche Herausforderung dar. Nach etwa einer Stunde erreichten wir dann endlich den Coll dels Reis, während die Sonne schon tief stand.
Da es uns unmöglich war, den vereinbarten Termin zur Fahrradrückgabe einhalten zu können, versuchten wir mehrmals Rolf per Mobiltelefon zu erreichen. Doch in den Weiten des zerklüfteten Berglands hatten wir unglücklicher Weise kein Mobilfunknetz zur Verfügung.
Die Strecke durch das Gebiet der Escorca zog sich ewig, doch wir mußten uns ranhalten, um die Berge beim Einbruch der Dunkelheit hinter uns lassen zu können. Die Sonne verschwand hinter den Bergen und es wurde deutlich kälter. Sehr erschöpft nach dieser quälend lagen Bergetappe rollten wir dann mit hoher Geschwindigkeit, bei immer schlechter werdender Sicht aufgrund der Dämmerung, hinuter ins Tal in Richtung Pollença.
In den letzten Ausläufern des Berges kam uns ein kleiner Lieferwagen entgegen, an dem ein Rennradfahrer zu kleben schien. Er fuhr mit dem kleinstmöglichen Abstand hinter dem Wagen, ohne Helm, aber mit sehr hoher Geschwindigkeit; etwa 60-70 km/h. In dem kurzen Moment des Vorbeifahrens konnten wir den Fahrer nicht erkennen, aber ich bin mir sicher, daß es sich um einen Profifahrer handelte. Am Abend erfuhr ich noch, daß Patrick Sinkewitz ebenfalls zur Zeit auf Mallorca weilt, um hier zu trainieren. Kurz vor Pollença fuhren wir ungefähr 38 km/h, als uns dieser Lieferwagen mit seinem Anhang etwa doppelt so schnell überholte.
In Pollença konnten wir gegen 19:30 Uhr endlich Rolf erreichen, der ausgesprochen entspannt reagierte. Wir sollten uns keinen Streß machen und die Räder einfach morgen früh abgeben. Was hatten wir doch für ein Glück, an so einen guten Fahrradverleih zu geraten.
Mittlerweile war die Dunkelheit über uns hereingebrochen, und wir fuhren vorsichtig mit geringer Geschwindigkeit auf der Fahrradspur. Ohne eigene Beleuchtung war es mitunter nicht so einfach, die Straßen nicht ungewollt zu verlassen. Über Port de Pollença und Alcúdia erreichten wir Port d’Alcúdia und hielten noch auf dem Weg zum Hotel bei Burger King, wo wir uns ein XXL-Menü genehmigten. Für das Buffet im Hotel waren wir ohnehin zu spät dran.
Nach einer kurzen Nacht stärkten wir uns zunächst mit einem reichhaltigen Frühstück, während Sven und Stefano am Flughafen auf ihren Flieger nach Berlin warteten. Danach justierte Rolf von Vamos24 noch meine Schaltung nach und gab uns die Radwanderkarte zurück.
Noch bevor die Stefano und Sven in die Luft gingen, starteten wir mit der heutigen Etappe. Wir gingen es wieder sehr ruhig an, da Marcus Probleme mit seinem Knie hatte.
Wir fuhren von Port d’Alcúdia nach Alcúdia und weiter nach Port de Pollença, wo wir dann die gewaltigen Berge der Halbinsel Formentor erklommen.
Bedingt durch die Touren in den letzten Tagen spürten wir unsere Beine sehr deutlich, als es daran ging, längere Steigungen von bis zu 10% zu meistern. Zusätzlich machte uns der schlechte Zustand der Straße zu schaffen, die große Schlaglöcher, Steine, Risse und Bodenwellen für uns bereit hielt.
Wir waren uns jedoch auch einig, daß diese Etappe landschaftlich noch mehr aufwarten konnte, als unsere Touren in den vergangenen Tagen. Wälder, in Fels geschlagene Tunnel, steile Abhänge und traumhafte Buchten motivierten uns durchzuhalten.
Auf dem letzten Anstieg zum Leuchtturm sahen wir einen Radfahrer, der die enormen Steigungen zuvor wohl nicht so gut verkraftete und auf der Straße zusammenbrach. Auch für uns war diese Bergetappe anstrengender als diejenige vom letzten Donnerstag.
Endlich erreichten wir dann den Leuchtturm am Cap de Formentor, wo wir eine längere Regenerationspause einlegten und uns mit Kaffee, Cola und Pizza versorgten.
Den Rückweg gingen wir deutlich zügiger an. Ein letztes Mal fuhren wir dann noch hinauf zum Atalaia d’Albercutx (380 Höhenmeter), wo wir auf den Turm aus dem 16. Jahrhundert stiegen.
Danach ging es zurück ins Hotel, in dem wir nach einem äußerst ausgiebigen Abendessen früh ins Bett fielen.
Heute starteten wir zum letzten Mal in voller Besetzung, da Stefano und Sven morgen früh wieder nach Berlin fliegen werden. Wir verließen Port d’Alcúdia in südlicher Richtung, um bei Las Gaviotas auf einer kleinen Landstraße nach Sa Pobla zu fahren.
Wir gingen es erst mal sehr ruhig an und fuhren kaum über 25 km/h, um unsere Kräfte zu schonen und die Beinmuskulatur langsam zu erwärmen. Nach Sa Pobla ging es weiter Richtung Llubi, Sineu, Sant Joan und Montuiri.
Der Puig de Randa lag nun unmittelbar vor uns und die Strecke wurde langsam steiler. Gleich hinter dem Dörfchen Randa nahm die Steigung dann deutlich zu und wir kletterten zügig hinauf. Belohnt wurden wir mit einer traumhaft schönen Aussicht über die gesamte Insel.
In der Santuario de Ntra. Sra. De Cura aßen wir einen kleinen Happen und tranken Kaffee. Einen Tisch weiter saß einer der Mönche dieser alten Klosteranlage.
Nach einer Fotoserie mit unserem japanischen Fanclub machten wir uns auf den Heimweg. Wir fuhren die selbe Strecke zurück, die wir für den Hinweg gewählt hatten. In Montuiri nahmen Stefano, Sven und ich noch eine steile Rampe in Angriff, während Marcus sein angeschlagenes Knie schonen mußte.
Zurück in Port d’Alcúdia gaben Stefano und Sven ihre Räder dann bei Rolf ab. Um die beiden gebührend zu verabschieden, verbrachten wir noch einen feucht-fröhlichen Abend in der britsichen Kneipe vom Vorabend und tranken dort etliche Vodka Red Bull.